Archive for Juni, 2008

Fussball muss sterben, damit wir leben koennen

Montag, Juni 30th, 2008

Hate Football - Hate GermanyFußball an sich ist ja eigentlich schon scheiße…
Die Adelung seiner zur bequem zu äußernden und deshalb schulterzuckend abverlangten nationalen Pflicherfüllung und der vorrauseilende Gehorsam der dummdeutschen Mehrheitsgesellschaft, der offenbar eh latent chauvinistischen Armada überbezahlter Medienficker und nicht zuletzt der zu möglichst ausgiebiger Volksnähe sich bemüßigenden deutschen Amts- und Würdenträger gegenüber dieser ob 2006 gar nicht mehr so neuen deutschen Tugend Fußballgeilheit hätte aber eigentlich auch jedem kritischen Freund von Mannschafts- und Ballsportarten in den letzten Wochen ziemlich übel aufstoßen müssen, aber egal.

Schon zur WM haben wir gesehen, wie ein sportliches Großereignis zum Vehikel einer nationalistischen Flächenimpfung wurde. Die Nationalfarben konnten sich wieder sehen lassen und das Trikot der DFB-Auswahl wurde nicht mehr nur zu Asylbewerberheimsverbrennungen getragen, sondern dauernd. Funk und Fernsehen beschäftigten sich ausgiebiger als zuvor mit dem Leid und der Geschichte deutscher Opfer des Zweiten Weltkrieges und überhaupt tendierte man dazu, die Bewältigung der deutschen Vergangenheit generell durch ihre Verdrängung zu ersetzen. (Die Gruppe Kittkritik hat ein sehr lesenswertes Buch über diese Zustände geschrieben.)

Wie zu erwarten kam es zur Europameisterschaft wieder zur Verschmelzung von Profisport, Vaterland und Volksgemeinschaft. Der motorisierte Individualverkehr in ehemaligen NSDAP-Hochburgen wie Steglitz und Charlottenburg geriet zum Fahnenmeer. Besonders unangenehm fiel auf, daß vor allem betriebliche Gefährte das Bekenntnis zur nationalen Identifikation anbrachten, als würde es der Mittelstand auch aus pekuniären Erwägungen als Notwendigkeit ansehen, die Verbundenheit mit der deutschen Allgemeinheit hervorzuheben. (Erfreulich ist allerdings, daß die patriotische Kostümierung auch als zuverlässiger Deppenindikator funktionierte und man beispielsweise nur flüchtig bekannte Gesichter auf dem Campus schon aus der Ferne als Vollidioten identifizieren und weiträumig umgehen konnte, was angesichts des täglichen Gebrauchs eines Kunststofftrikots wahrscheinlich auch olfaktorisch sinnvoll war)
soccer sucks, fuck football Die Nationalmannschaft wuchs auf ca. 82 Mio. Mitglieder an, sowohl die dümmsten als auch die bestbezahlten Fressen des Landes versuchten sich an der Zwangsintegration des größten Teils der Landsleute in das so unbefangene und freundliche “wir” der deutschen Nation. Wer nicht dazugehören soll, dem wurde das auch deutlich zu verstehen gegeben.
Die Friedrich Ebert Stiftung hat fast unbemerkt das Sequel zu ihrer vor zwei Jahren erschienenen Studie “Vom Rand zur Mitte” herausgebracht und ist zu dem Ergebnis gekommen, daß es eben kein weltoffener und fortschrittlicher Party-Partiotismus ist, der zu solchen Veranstaltungen die Massen ergreift, auch wenn das offenbar eine weit verbreitete Annahme ist. Die Zahlen dokumentieren anscheinend vielmehr den knallharten Ruf nach einer geschlossenen Volksgemeinschaft.

Nun ist der Quatsch endlich vorbei... Die harten Wochen sich häufender Däm- und Widerlichkeiten sind überstanden, unzählige Male mußte man sich zusammenreißen, um den im Zweifelsfall ganz schnell in Überzahl sich befindenen polychromen Gesichtern bedingungsloser Vaterlandsliebe nicht im Affekt eine reinzuhauen, ohne Reizgas und schwere Stiefel traute man sich kaum aus dem Haus, beim Public Viewing am Hackeschen Markt gab es einen Thor Steinar-Block und linke Chaoten haben viele viele kleine Fähnchen geschändet… Die EM 2008 war eine erbarmungslos sich ziehende Demütigung sowohl für Skeptiker völkischer Konstrukte, nationalistischer Kategorien und testosteronieller Retardierung als auch Freunde des guten Geschmacks. Vielleicht sollte man sich mal Gedanken darüber machen, wie solchen Anlässen in Zukunft zu begegnen ist.

Fußball muß sterben, damit wir leben können!

Schland verrecke!