kugelblitz #2: chasing
Mittwoch, April 7th, 2010


“Ein durchschnittlich ausgestatteter Porsche Cayenne kostet 130 000 Euro. Einer ALG-II-Bezieherin werden im Regelsatz für »Mobilität« monatlich 14,26 Euro zugestanden. Wenn sie diese Pauschale nun anspart, um sich einen derartigen fahrbaren Untersatz zu kaufen, müsste sie dies 760 Jahre lang tun. Der Erlebensfall ist also ausgeschlossen. (…) Es ist einfach der elende Zustand der Gesellschaft: Symbolisch stehen mit einem Porsche Cayenne neben dem armen Schlucker knapp acht Jahrhunderte Abstand zum guten Leben – abgeparkt am Straßenrand.”
Die vom Goethe-Institut organisierte, heftig kritisierte Tour des Weddinger Rappers Massiv durch die palästinensischen Autonomiegebiete wird nun von der taz aus einem freundlicheren Blickwinkel beleuchtet. Massiv boykottiere bspw. massiv die ebenfalls an der Tour teilnehmende Sängerin Shadia Mansoun aufgrund ihrer massiven Glorifizierung von Selbstmordattentaten. Als einen Beleg für Massivs neue political correctness führt der Artikel den nationalistischen Track “Wir sind alle gleich” an.

Soli-Illustration für die Linie gemacht. Erschienen in der Kung-Fu-Hund #3.

Anfang Juni dieses Jahres hat das Haus Linienstraße 206 in Mitte seinen Besitzer gewechselt. Das bedeutet für das linke Wohnprojekt eine akute Bedrohung, denn der neuen Eigentümer meldet Eigenbedarf an, verlangt Zugang zu dem Haus und läßt also keinen Zweifel daran, daß er das Haus entmieten will.
Die Bewohner rüsten nun zur Verteidigung ihres Freiraums. Nachdem ein offenbar adäquater Mob persönlich das Angebot über die Auflösung der Mietverträge abgelehnt hatte, folgt nun am 26.9.2008 eine Demonstration.
Die Aufwertung der Gegend um die Grenze zwischen Mitte und Prenzlauer Berg schreitet mit großen Schritten voran. Der gleichzeitige Bau von vier Hotels am Rosenthaler Platz und so spaßige Dinge wie der Marthashof oder die immerhin vorerst auf Eis gelegten Fehrbelliner Höfe zeigen eine äußerst rasante Entwicklung in Richtung vollständiger Yuppi- und Touristifizierung. Mit beidem ist viel Geld zu machen und so ist die Linienstraße auch nicht das einzige bedrohte Projekt in Mitte. Die Zukunft der Brunnenstraße 183 und des Schokoladens ist ungewiß und die Werkstatt Fleischerei mußte bereits weg. Unter den Aufrufern sind außerdem die bedrohten Häuser Yorck59 im Bethanien, Rigaer94 und Liebig14.
Anläßlich der begonnenen Aktionstage informiert das Piratinnenradio auf 95,2 mHz FM und als Livestream und der eigens eingerichtete Ticker. Die Presse war bei der feierlichen Eröffnung auch da und weil es halt so gut paßt, gibt es jetzt noch ein bißchen Propaganda.
One struggle…

…Israel.
Streng und schön liegt sie da, diese fraktal dahingeklüftete zärtlich liebevolle, verheißungsvolle Berglandschaft, ein Megabyte groß, dunkelbraun, selbstähnlich, rekursiv ausgerechnet, Höhenwerte in 2-Byte-Fließkommazahlen, bla. Was aber macht man jetzt damit? Einöde drüberspannen? Biotop für schreiben? Weiß auch nicht.. War halt mal wieder Zeit für ein bißchen Automatenmalerei!!!
Hier noch mehr Ergebnisse: 1, 2, 3, 4, 5
Teil 1: Kasper
trägt zur Grundausrüstung (Kochgeschirr, Verbandszeug) sorgfältig ausgewähltes Arsenal verschiedenster Partydrogen und Tranquilizer, die neben mehreren Litern gepflegter Spirituosen stets für die nötige Verfassung sorgen. Moderne Kommunikationstechnik und allerlei Aufzeichnungsgeräte heben Kaspar auf die Höhe der Zeit, ohne daß er sich ihren Zwängen unterwerfen müßte. Hochwertige Linsen verschaffen den nötigen Durchblick und immense Brennweiten und diverser Schnickschnack bereitet auf so ziemlich jede Eventualität vor. Gute Reise, Kasper!

Die drei Monate Rückzug, die wir uns aus Trauer und Ratlosigkeit über den richtigen Umgang mit unserem schmerzhaften Verlust auferlegt haben, sind vorüber. Es bleibt resigniertes Selbstmitleid angesichts der riesigen Lücke die gerissen wurde, der Verdacht, in den vergangen Monaten vieles falsch gemacht zu haben und die erdrückende Gewißheit, daß es für alles im Leben irgendwann einfach mal zu spät ist. Und ein bekloppter Nachruf in der Groove.
Wir sind in all unserer faulen Dämlichkeit und flachkulturellen Ausdrucksarmut jedenfalls erstmal wieder da. Nichts ist so gelaufen wie es sollte. Mal sehen wie es nun weitergeht.
Wehmütig macht jedesmal wieder die unwiderrufliche Assoziation des Jesse James – Soundtracks…
Goodbye Ramin. Danke für alles Geile. Machs gut.
Krzbrk!!
Revolutionäre 1. Mai Demonstration Lausitzer Platz
Das, was dieses Jahr als “revolutionäre 1. Mai-Demo” durch Kreuzberg kroch, war, um diese Einschätzung vorwegzunehmen, reichlich arm. Wenn ich mit dem kruden Konglomerat, welches da eine ewig lange Strecke entlang in einer Art Cantorscher Kurve durch die Gassen um die Reichenberger Straße schlängelte, die Revolution starten müßte, würde ich erwägen, mich als Konterrevolutionär erschießen zu lassen.
Ausgehend von den Zahlen der Bullen kann man wahrscheinlich von 7000 Leuten sprechen, auch wenn mir selbst das noch übertrieben erscheint. Am Lausitzer Platz hatten sich vielleicht 3000 zusammengerottet. Darunter mindestens 5 Träger palästinensischer Flaggen, die, statt wegen unangebrachten Nationalismus’ rausgemobbt zu werden, den Zug so im folgenden optisch gut für sich vereinnahmen konnten.
Nun wurde zunächst routiniert gewettert, gegen “Imperialismus”, “Globalisierung” und so. Genau hingehört hab ich nicht, schließlich waren wir wegen der Köpi da. Stargast war Bewegung 2. Juni-Veteran Ralf Reinders, der hingebungsvoll für die Freilassung von Christian Klar etc. eintreten durfte. Als großer Clou angekündigt wurde die massenhafte Enttarnung und Markierung von Zivilbullen, zu deren Zweck man Photos schießen und per MMS an die zuständige AG schicken sollte. Hat anscheinend keiner gemacht, zumindest hab ich keines der gelben Bullenwarnschilder gesehen, dafür aber jede Menge Typen, die wie Zivten aussahen. Irgendwann setzte sich die ganze Geschichte dann auch mal in Bewegung. Die Strecke wurde zum Spießrutenlauf durch die zahlreichen säumenden photographierwütigen Touris. Die Polizei hingegen war offenbar gleich zu Hause geblieben. Wir fühlten uns irgendwie nicht ernst genommen.
Schließlich konnten wir doch noch den Black Block Köpi ausfindig und es uns darin relativ gemütlich machen, da die nicht vorhandenen Bullen ja nichts gegen die Seitentransparente sagen konnten. So humpelten wir den Rest der 1000 Kilometer langen Strecke entlang. Immer der Palifraktion hinterher, die sich immer weiter nach vorn boxen konnte. Wir fühlten uns irgendwie instrumentalisiert.
Wieso bekommt es jede beliebige Scheißdemo hin, sich auf den Verzicht auf Nationalflaggen zu einigen, nicht aber der rev. 1. Mai? Stattdessen begann Reinders, dessen Homies von den Tupamaros Westberlin und der Kommune 1 ja schön früher gerne mal brandsatztechnisch Vorbild in der Reichskristallnacht fanden, begeistert gegen das “Apartheidsregime” Israel zu wettern. Als dann in der Oranienstraße endlich jemand die Eier hatte, zum Ausgleich die Fahne Israels in die Brise zu stemmen, kaperte eine aufgebrachte junge Frau das Mikrophon und schrie ein paar Sätze auf arabisch, in denen sehr oft die Worte “Israel” und “Palästina” vorkamen. Sie bekam Beifall. Ihr Auftritt blieb seitens der Organisatoren unkommentiert. Wir gingen.
Und zwar nach Hause. Was wir uns nicht geben mußten, waren die traditionell ab jetzt auftauchenden grauen Wölfe und krawallgeilen Bürgerbübchen.