Google Wardriving: Ortung über Wi-fi
Samstag, Mai 8th, 2010Seit 2007 hat Google Maps Mobile das Feature “My Location“. Damit kann Google, anhand von Informationen über benachbarte Funkzellen und WLAN Access Points, die Position des Telefons bestimmen. Es wird dafür also kein GPS benötigt, was Strom spart und auch Geräte in Gebäuden und solche, die kein GPS haben, orten kann.
Bis heute ging ich davon aus, daß die Positionsfeststellung auf iPhone etc. über die Signalstärken der umliegenden Handymasten trianguliert werden, wie ich das von GSM kenne. Das ist nichts spannendes, hab ich schon per Hand gemacht und machen die Bullen die ganze Zeit. Dieses “My Location” nutzt aber halt außerdem noch eine weitere Alternative zu GPS.
Google fährt nämlich in seinen Street-View-Karren durch die Gegend, samt einer GPS-Antenne auf dem Dach, und scannt WLANs. Die MAC-Adressen der Access Points zusammen mit der Position des Fahrzeugs gespeichert. Sobald irgendwer auf dem Telefon bei Google Maps auf den “My Location” Button haut, sammelt der Browser die MAC-Adressen sämtlicher umliegender Access Points samt deren Verbindungsstärke (also der Entfernung zu ihnen) ein und schickt das ganze an Google. Da wird anhand der unter den MAC-Adressen abgelegte GPS-Daten wohl relativ zuverlässig die Position des Gerätes rekonstruiert.
Lustigerweise gibt es das Ganze seit einiger Zeit auch für die Gears API, die von Firefox 3.0 oder höher unterstützt wird. Oder so. Wußte ich auch nicht. Das funktioniert bei eingeschaltetem wireless adapter auch ziemlich genau. Soweit man hört, auch in menschenleeren und eher abgeschnittenen Gegenden.
Google hat vor ein paar Tagen eine Erklärung an Datenschutzbeauftragte herausgegeben, in der betont wird, daß entgegen den Gerüchten die WLANs nicht auf den Street-View-Touren gescannt werden, daß nur abgehört und nicht injiziert wird, also nur Broadastpakete empfangen werden und von denen nur der Header verwendet wird, und daß die Anfrage auf “My Location” komplett verschlüsselt durchgeführt wird. Mozilla stellt ebenfalls fest, daß außer Google niemand die bei der Anfrage lokal gesammelten Daten bekommt. Außerdem meint Google, daß auch andere Firmen Wardriving betreiben.
Statt hier jetzt nochmal im Datenschutzgesetz zu blättern, warten wir einfach mal ab, was passiert. Bis auf weiteres jedoch stellt jeder WLAN-Router einen kostenlosen Knoten im weltumspannenden Ortungsnetz von Google dar, über den jeder Idiot auf seinem iPhone streuverlustfreie ortsgebundene Google-Werbung erhält. Damit, den eigenen Router öfters mal abzustöpseln und durch die Gegend zu tragen, ist die Sache auch nicht erledigt, weil die tausenden GPS-fähigen Handys, die in innerstädtischen Bereichen permanent zwischen Latte Macchiato und Poserclub hin und hergeschleppt werden, das Google-Wardriving dank prinzipiell kongruenter Ausrüstung streckenweise glatt überflüssig machen, und außerdem ihre Position noch über die Funkzellen bestätigen können. Das Netz wird also ständig aktualisiert.
Daß die vordergründige Erwägung hinter der Entwicklung derart aufwendiger Verfahren die ortsbezogene Werbung ist, kann man sich ja denken. Unter dem Vorwand, ein schnelleres Internet ermöglichen zu wollen, hat Google aber sogar schon eine Anfrage bei der IETF eingereicht, um DNS-Server mit der genauen Position der anfragenden Hosts zu versorgen. Wer Bock hat, kann sich ja zu der ganzen Thematik einen Vortrag des letzten CCC angucken.





